18.05.2018, 19 Uhr – Lecture: Sebastian Schmieg „Humans as software extensions“

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Sebastian Schmieg & Crowdworker: humans as software extensions, lecture extract, 2018

18.05.2018, 19 Uhr – Lecture: Sebastian Schmieg „Humans as software extensions“

Während Technologien oft als Erweiterungen unserer Körper beschrieben werden, betrachtet Sebastian Schmieg in seinem Vortrag diese Beziehungen aus der entgegengesetzte Perspektive: Menschen als Software-Erweiterungen, die ganz einfach eingesteckt, neu verkabelt und wieder ausrangiert werden können. Computernetzwerke werden durch unsere Körper, unsere Sinne und unser Denken erweitert: beispielsweise wenn wir CAPTCHAs lösen und dadurch künstliche Intelligenz trainieren, wenn sich Menschen als Bots ausgeben müssen, wenn Arbeit vermittels Onlineplattform und Handy organisiert wird oder wenn Arbeiter_innen gar programmierbar werden. Menschen die Maschinen erweitern – so lassen sich schon seit geraumer Zeit viele Formen der Arbeit beschreiben. Da vernetzte Software nun jedoch alle Aspekte unserer Arbeits- und Lebenswelten durchdringt, wird die algorithmische Analyse, Organisation und Modulation von Körpern allgegenwärtig. Die Verfasstheit von Menschen als Software-Erweiterungen, zu denen auch wir uns zählen können, wie auch viele der Menschen, die für uns arbeiten, wird Schmieg anhand einer Reihe von Beispielen illustrieren, um dann abschließend mögliche Interventionen innerhalb algorithmischer Systeme vorzuschlagen.

Der Vortrag findet im Rahmen der Ausstellung »performing the system« statt. Mit Sebastian Schmiegs Vortrag startet zugleich die zweite Etappe der Ausstellung, in der ab Freitag, den 18.5., dann auch Arbeiten des Künstlers sowie von Stephanie Comilang zu sehen sein werden.

04.05.2018, 20.00 Uhr – Film screening: Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival

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Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival (Fabrizio Terranova, 2016)

04.05.2018, 20.00 Uhr – Film screening: Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival

Im Rahmen der Gruppenausstellung „performing the system“ im Kunstverein Hildesheim zeigen wir den Film „Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival“ (Fabrizio Terranova, 2016).

Die Philosophin und Biologin Donna Haraway ist Wissenschaftlerin und begabte Geschichtenerzählerin. Bekannt wurde sie in den 1980er Jahren mit der Figur der*des Cyborg, welche sich gängigen Dualismen kultureller Ordnungen entzieht. Kürzlich hat Haraway das „Companion Species Manifesto“ verfasst und ein Buch über „Monströse Versprechen“ geschrieben. Sie malt in ihren Texten ein rebellisches und utopisches Universum nicht-binärer Kreaturen und Trans-Spezies und inspiriert sowohl andere Denker_innen und Wissenschaftler_innen als auch viele Künstler_innen dazu, über gängige Schemata hinauszudenken.

Für sein skurriles Filmporträt verbrachte der Brüsseler Filmemacher Fabrizio Terranova mehrere Wochen gemeinsam mit Donna Haraway in ihrem Haus in Kalifornien.

Die Veranstaltung findet Freitag, 04.05 um 20:00 Uhr im &büro (Wollenweberstr. 52, 31134 Hildesheim) statt.

Originalversion in englischer Sprache

27.04.2018, 20.00 Uhr – Lecture von Lotte Reimann: Temptation or Dr. de Clérambault

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Bild: Lotte Reimann: Study No. 156 (zentai body bag) aus: Temptation or Dr. de Clérambault, 2016

27.04.2018, 20.00 Uhr – Lecture von Lotte Reimann: Temptation or Dr. de Clérambault

„June 25, 1908, Paris, France

A studded green leather chair and a heavy wooden desk tightly held Dr. Gaëtan Gatian de Clérambault as he sat with his back to the brick wall of the underground interrogation chamber. He rigidly adjusted his glasses. He felt hot in his stiff shirt, the weskit and white coat. With the small handkerchief he always kept neatly folded in his vest, he dried his bald head and glanced at the pocket watch on the table next to the noteboard.“

 

Lotte Reimanns Lecture findet im Rahmen der Ausstellung »performing the system« statt und bezieht sich auf ihre ausgestellte Arbeit »Temptation or Dr. De Clérambault (drapery studies)«, 2016.
In ihrer Arbeit befasst sich die Künstlerin fotografisch mit Faltenwurfstudien. Sie bettet diese Auseinandersetzung in eine visuelle Beschäftigung mit der Diversität von Körpern und Verhüllungen ein. Ausgangspunkt bildet unter anderem ihre Recherche zum Wirken von Dr. Gaëtan Gatian de Clérambault, einem französischen Psychiater, Ethnologen und Fotografen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Found-Footage-Bilder aus dem Internet werden historischen Aufnahmen zur Seite gestellt, Fakten und Fiktion, Texte und Fotografien verwandeln sich in ein Werk, das die Veränderung sozialer und politischer Normen um Körperlichkeit, Sexualität und Besitz der Macht über das Zeigen und Anschauen erforscht. Es geht um Enthüllung, Verhüllung und Geheimnis. Überlegungen zur Lust am Verborgenen und Verbotenen verbinden sich mit der Frage, wer Macht über das Bild des Körpers und damit Macht über den Körper hat.

Die Lecture findet in Englischer Sprache statt.

Katalog: Samuel Henne – displacements

Der Katalog ‚Samuel Henne – displacements‘ ist beim Kunstverein Hildesheim und im Buchhandel erhältlich.

Samuel Henne befasst sich in seinen Arbeiten mit unterschiedlichen Aspekten der Darstellung und Darstellbarkeit von Skulptur und ihrer Transformation ins Bild.
Henne arrangiert im Studio konstruierte Motive mittels Setting, Licht- und Farbregie und übersetzt sie in prägnante Bildkompositionen. In Arbeiten wie „constellation“ und „displacements“ (beide 2016) zeigt sich Hennes kunst- und kulturhistorisches Interesse.
Der Künstler greift auf vorhandenes Bildmaterial zurück, das er sich im künstlerischen Arbeits- und Bildfindungsprozess aneignet, umformt und in neue Kontexte setzt. Dabei werden grundlegende Fragen der Repräsentation und der Erzeugung von Bedeutung im Medium Fotografie verhandelt. In seiner Ausstellung im Kunstverein Hildesheim setzte Henne neue Arbeiten und Werkzyklen in einen Dialog mit historischem Bildmaterial des Bildarchivs des Roemer- und Pelizaeus- Museums Hildesheim. Als methodisch ausdifferenzierte Untersuchungen musealer Hervorbringungsbedingungen bringen sie das Produktive der Reproduktion, das Interpretative im Bewahrenden und die Unbestimmtheitsstellen im wissenschaftlichen Regelwerk zum Erscheinen. Die Arbeiten bilden wiederkehrende Formanalogien innerhalb der entstandenen Werke aus. Sie verlinken ihre Exponate zugleich mit historischen Bilderwelten und verweisen auf aktuelle postkoloniale Diskurse.

Hrsg.: Nora Brünger, Torsten Scheid (Kunstverein Hildesheim)
Text von Torsten Scheid, Gestaltung: Studio Parat,
Berlin 2017, 56 Seiten, 30,5 x 23 cm, schweizer Broschur, 4-farbig und Sonderfarbe,
Deutsch/Englisch
ISBN 978-3-95763-401-6
Preis: 21 € (18 € für Mitglieder)